Zeitungsartikel

Das Friedenslicht ist angekommen

Die Schopfheimer Pfadfinder „Konrad von Rötteln“ halfen bei der Verteilung des Kerzenlichts.

Auch im Corona-Jahr verteilten die Schopfheimer Pfadfinder das Friedenslicht. Foto: Paul Eischet

von Paul Eischet

. Seit 27 Jahren wird in Deutschland das Friedenslicht verteilt. „Frieden überwindet Grenzen“ lautet das diesjährige Motto der ökumenischen Aktion zur Advents- und Weihnachtszeit. Am Montag von 18 bis 19 Uhr verteilten die Schopfheimer Pfadfinder „Konrad von Rötteln“ das Licht vor dem Evangelischen Gemeindehaus.Seit 1986 wird auf Initiative des Journalisten Helmut Obermayr vom Österreichischen Rundfunk (ORF) das Friedenslicht verteilt – seit 1994 auch in Deutschland. Das Licht steht als Symbol für die Sehnsucht nach Frieden und ist ein Zeichen der Völkerverständigung und Versöhnung. Jedes Jahr wird es von einem anderen sogenannten „Friedenslicht-Kind“ in der Geburtsgrotte Jesu in Betlehem entzündet und mit dem Flugzeug nach Wien gebracht. Von dort wird es am dritten Advent von Pfadfinder-Delegationen aus ganz Europa entgegengenommen und in den Regionen und Gemeinden der jeweiligen Heimatländer verteilt. Bei Aussendungsveranstaltungen wird es dann den Pfadfindern vor Ort übergeben.

Wegen der Corona-Pandemie war in diesem Jahr alles ein wenig anders: Diesmal wurde das Licht nicht direkt in Wien abgeholt, sondern an der deutsch-österreichischen Grenze übergeben und an mehr als 100 Städte in ganz Deutschland verteilt. Auf die üblichen Aussendefeiern und Gottesdienste wurde aus Sicherheitsgründen vielerorts verzichtet. Stattdessen wurden Übergabeorte eingerichtet, an denen sich die Menschen das Licht abholen konnten.

Auch die Landeskirche Baden verzichtete in diesem Jahr auf einen Aussendegottesdienst. „Wir waren gestern in Wehr“, erzählte Stammesleiter Matthis Stolz. „Es fand ein Gottesdienst statt, den wir aktiv mitgestalteten. Von dort haben wir vier Kerzen mitgebracht.“ Über Nacht seien diese in die heimische Badewanne gestellt worden, verriet er schmunzelnd. Dies sei der sicherste Aufbewahrungsort. „Zwei Kerzen haben es überlebt, zwei sind ausgegangen.“

Zwei brennende Kerzen reichten aus. Die Sonne war bereits untergegangen, als Menschen aus Schopfheim und Umgebung das Friedenslicht vor der abendlichen Kulisse der Stadtkirche entgegennahmen. Die Pfadfinder hatten einen Stand errichtet, auf den die beiden Lichter drapiert waren. Sicherheitsvorkehrungen waren getroffen worden: Auf den Boden gelegte Seile markierten einen Weg, den die Menschen entlang gehen konnten, ohne einander zu nahe zu kommen. Immer wieder kamen Alt und Jung, um mit mitgebrachten Kerzen das Friedenslicht aufzunehmen. Matthis Stolz und Gruppenleiter Philipp Klimmer begrüßten alle Ankömmlinge persönlich und achteten auf die Einhaltung der Sicherheitsregeln.

Einige Abholer waren für die Pfadfinder alte Bekannte. Mechthild Sommer aus Maulburg holt seit mehr als zehn Jahren das Schopfheimer Friedenslicht. Sie tut es nicht allein für sich, sondern gibt nach eigener Aussage das Licht immer auch als kleinen Adventsgruß in die Nachbarschaft. Auch von einer treuen „Stammkundin“ aus Kühlenbronn im Kleinen Wiesental konnte Stolz berichten. Sie hole ebenfalls alljährlich das Friedenslicht, um es in ihrem Ort zu verteilen.

So wird denn auch in diesem Jahr trotz Corona in vielen heimischen Wohnzimmern dieses ganz besondere Symbollicht wieder Menschen durch die Weihnachtstage und darüber hinaus begleiten.

Quelle: badische-zeitung.de/das-friedenslicht-ist-angekommen