Zeitungsartikel

Die Pfadis finden immer einen Weg

50 Jahre mit Höhen und Tiefen: Der Schopfheimer Stamm „Konrad von Rötteln“ feiert im September Jubiläum

Die Pfadfinder lassen sich nicht unterkriegen – auch nicht von Corona. Auf dem Foto: Stammesleiter Matthis Stolz und die Gruppenleiter Sebastian Jenisch und Philipp Klimmer (von links). Foto: Paul Eischet

von Paul Eischet

SCHOPFHEIM. Der Schopfheimer Pfadfinderstamm „Konrad von Rötteln“ (K.v.R.) wird in diesem Jahr 50 Jahre alt – coronabedingt wird dieses Jubiläum aber eher im Stillen und ohne großes Tamtam begangen. Ein Grund mehr, den Blick auf die umtriebige Schar der heimischen Pfadis zu lenken. Wir trafen uns mit Stammesleiter Matthis Stolz und den Gruppenleitern Sebastian Jenisch und Philipp Klimmer, um mehr über Vergangenes, Erlebtes und die derzeitige Situation zu erfahren.

Es war der britische Kavallerie-Offizier Robert Baden-Powell, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Pfadfinderbewegung ins Leben rief. Ihr Ziel: Kinder und Jugendliche zu selbstständigen, verantwortungsbewussten, empathischen und naturverbundenen Persönlichkeiten heranzuziehen, unabhängig von Glauben, Nationalität und Hautfarbe. Das erste Pfadfinderlager auf der britischen Insel Brownsea Island im Jahr 1907 war der Startschuss. Bald darauf verbreitete sich die Bewegung über die ganze Welt. Eine von Baden-Powell akribisch erarbeitete Erziehungsmethodik (die „Pfadfindermethode“) wird – mit regional unterschiedlicher thematischer Gewichtung – bis zum heutigen Tag von allen Pfadfinderverbänden getragen und gelebt.

Der Pfadfinderstamm „Konrad von Rötteln“ wurde 1970 von Horst Panzer aus Badenweiler gegründet, tatkräftig motiviert von Mitgliedern der Schopfheimer Familie Jenisch. Anfänglich wurden Mitglieder ausschließlich über Mund-zu-Mundpropaganda gefunden. Es folgten gute, immer wieder aber auch schwierige Zeiten. „Zwischendurch standen wir auch schon mal vor dem Aus“, erzählt Matthis Stolz. „Wir hatten keine Gruppenleiter, viele Abgänge und keine Neuzugänge mehr.“ Überhaupt sieht der Stammesleiter den Werdegang der Pfadis in Schopfheim als eine stete Wellenbewegung – immer wieder ging es auf und ab. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die Pfadfinder nicht von anderen Vereinen.

Derzeit setzt sich der Schopfheimer Stamm aus zwei Gruppen zusammen: die Salamander für Kinder zwischen sieben und zehn Jahren und die Wölfe für die Elf- bis 14-Jährigen. Jede Gruppe wird von zwei Leitern betreut.

Die Schopfheimer Pfadis sind stolz auf ihre Gemeinschaft. Philipp Klimmer, Stammesleiter der Salamander, beschreibt es so: „Wir sind ein Verband christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder, aber bei uns sind auch Leute willkommen, die einem anderen Glauben angehören oder nicht gläubig sind. Uns geht es hauptsächlich um das Gemeinschaftsgefühl in Bezug auf pfadfinderisches Denken. Von uns aus darf jeder glauben, was er will. Hauptsache, wir verfolgen alle die gleichen Interessen.“ Unkompliziert gehe es zu, ergänzt der Stammesleiter, der selbst keiner Konfession angehört. „Die Gemeinschaft in der Natur, das Auf-Fahrt-Gehen, das gemeinsame Unterwegssein, und das möglichst rudimentär und ohne allen Luxus, das schweißt zusammen und es bilden sich viele Freundschaften.“

Jubiläum sollte eigentlich im großen Stil gefeiert werden

Pfadfinderische Freizeitaktivitäten gab es in den letzten Jahren zuhauf, darunter Sommerlager, Hüttenaufenthalte, mehrtägige Hajks (Wanderungen), Stammesgrillen, sportliche Aktivitäten und gemeinsame Aktionen mit anderen Vereinen. Als einziger Stamm im Umkreis veröffentlicht der K.v.R. eine eigene jährlich erscheinende Zeitung mit dem Titel „Jamboree“. In ihr werden alle pfadfinderischen Aktivitäten und Ereignisse eines Jahres zusammengefasst und in kinder- und jugendgerechter Weise präsentiert. Das Wort Jamboree ist indianischen Ursprungs und bedeutet so viel wie „friedliches Treffen der Stämme“. Es steht eigentlich für ein alle vier Jahre stattfindendes zwölftägiges internationales Pfadfindertreffen, in dem junge Menschen aus aller Welt zusammenfinden, Erfahrungen austauschen, gemeinschaftliche Aktivitäten erleben und grenzüberschreitende Freundschaften pflegen. An einem solchen Lager haben die Wölfe und Salamander noch nicht teilgenommen, wohl aber an den Bundeslagern, die ebenfalls alle vier Jahre organisiert werden.

Das 50-Jahr-Jubiläum sollte groß begangen werden. „Wir reden schon seit Jahren darüber“, meint Stolz. Im vergangenen Herbst wurde dann mit der konkreten Planung eines Festes begonnen, das am 26./27. September stattfinden sollte. Es wurde Kontakt zum Stammesgründer Horst Panzer aufgenommen, dessen Wunsch es war, einen Gottesdienst auf der Jubiläumsfeier abzuhalten. Corona machte all dem einen Strich durch die Rechnung. Abgesehen von einem bereits im Juli unter Sicherheitsvorkehrungen veranstalteten Zeltlager in Schwörstadt wird es in diesem Jahr zunächst keine weiteren Unternehmungen mehr geben. Dennoch soll dem Jubiläum gedacht werden: Für 26. September ist im Pfarrgarten ein kleines Grillfest für die Mitglieder geplant. An diesem wird der Gründervater des K.v.R. nicht mehr teilhaben können: Horst Panzer verstarb am 6. Mai in seiner letzten Wahlheimat Berlin.

Quelle: https://www.badische-zeitung.de/die-pfadis-finden-immer-einen-weg