Von Besinnlichkeit und Licht

 

Wieder mal ist die Zeit gekommen,
die Zeit, in der Du bist besonnen.
Bloß ist das Besinnen nicht leicht,
wenn Dich das Denken an Morgen einholt
und Du nie bist im Hier und Jetzt.

Vielleicht wird dieses Jahr ruhig und besinnlich.
„Was bedeutet das?“, fragst Du mich.
„Tag für Tag bewusst leben,
Momenten Platz im Herzen geben,
Zeit für Andere, aber auch für Dich nehmen“, sage Ich.

Du zündest die dritte Kerze an,
während ich Schneeflocken mit meinen Haaren fang.
Wir laufen durchs Schneegestöber entlang,
ein Rentier begleitet uns bis hoch zum Berghang.
Dann zieht es flink von dannen –
sein Glöckchen erklingt noch weit von den Rottannen.
Dunkel ist es auf dem Heimweg,
Sterne spiegeln sich neben dem Bootssteg.
Wie schön das doch ist,
wenn überall Licht ist,
nicht so trist.

Licht ist auch in unseren HerZen,
beim Denken an all die, die nicht mehr bei uns sind –
ganz ohne Trauerschmerzen.
Denn sie bleiben Teil von uns, so lang wir an sie denken
und uns gegenseitig mit Erinnerungen beschenken.
Licht ist auch in unseren Herzen.
Das wird heller, wie bei Summen von Kerzen,
je mehr wir diese Momente genießen,
und uns nicht vorm Lichtermeer verschließen.

Kinderlächeln erwärmt wie Glühwein von innen,
wenn sie beim Baumschmücken Wunder vollbringen.
Plätzchenduft zieht durch unsere Stube.
Ich glaub die Weihnachtszeit ist wahrhaftig eine Fundgrube.
Denn, wenn Du da bist im Hier und Jetzt,
dann wird diese Zeit sein ein buntes Fest.
Und Du kannst finden, wonach Du nicht gesucht hast,
und Dich überraschen lassen von Alltäglichem Tag für Tag.

Und Du lachst mich an.
Und Du sagst: „Jetzt weiß ich, was besinnlich meint.“
Und Du zündest die Kerzen an.
Und Du blickst das Feuer im Kamin an.
Und die Lichter lodern –
Lichter hier und da – im Kamin und in den Herzen.

Julia Jenisch